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Fortbildung auf dem Präpariersaal

Wo könnte man besser das für ärztliche Eingriffe am Patienten nötige anatomische Spezialwissen erlernen und trainieren als auf dem Präpariersaal, jenem Ort, "an dem der Tod dem Leben zu Hilfe eilt"?
Liegen doch die Anatomieausbildung und vor allem die praktischen Übungen am Leichnam für die meisten Ärzte schon lange zurück; und das in der Vorklinik erworbene Wissen konnte ja auch nur die Grundlage für das sein, was jeder Einzelne später an ganz konkretem Spezialwissen benötigt. Das jedenfalls sind die Erfahrungen vieler Ärzte, die es bedauern, im Rahmen ihrer klinischen Ausbildung bzw. späteren ärztlichen Tätigkeit keine Chance mehr zu haben, sich an dem Ort weiter zu qualifizieren, an dem einst ihre berufliche Laufbahn begann.

Wen wundert es daher, dass gerade die modernen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie nach Fortbildungsveranstaltungen verlangen, die ohne praktisch - anatomische Übungen nicht attraktiv genug wären? Immer größer wird die Zahl von Veranstaltungen am anatomischen Präparat, die in enger Kooperation mit klinischen Kollegen durchgeführt und von ganz unterschiedlichen Dachverbänden bzw. Fachgesellschaften unterstützt werden. Derzeit gehört neben kleineren klinisch-anatomischen Präparationskursen und Kolloquien ein breites Spektrum zyklisch stattfindender Veranstaltungen in Gestalt von Operationskursen und Workshops zum festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders am Institut für Anatomie I, und weitere Kurse sind in Vorbereitung.
Aus dem Veranstaltungskalender geht deutlich hervor, dass der Bedarf an derartigen Fortbildungsveranstaltungen nicht nur von Seiten der klassisch - chirurgischen Disziplinen, wie Unfall- bzw. Handchirurgie, Orthopädie, Fußchirurgie und Nasen-, sowie Nasennebenhöhlen- und Mittelohrchirurgie, besteht. Auch die zahnärztliche Implantologie, die plastische Chirurgie und Fächer, wie beispielsweise die Frauenheilkunde, in denen minimal invasive Techniken nach neuen Sichtweisen im Hinblick auf anatomisch korrekte Orientierung verlangen, gehören zum Spektrum der beteiligten Disziplinen. Schließlich sind es auch die vormals konservativen Fächer, wie Intensivmedizin und Anästhesiologie, die zum Training regionalanästhetischer Verfahren und notfallmedizinischer Maßnahmen das anatomische Präparat benötigen.



Wie hat man sich den Ablauf dieser Art klinisch - anatomischer Fortbildung vorzustellen?


Die meisten Kurse gliedern sich in einen theoretischen und einen praktischen Abschnitt. Der Vortragsteil beginnt mit Darlegungen zur speziellen Anatomie, in dem sowohl topographische als auch funktionelle Besonderheiten sowie anatomische Variationsmöglichkeiten der entsprechenden Region auf der Grundlage eigens dafür angefertigter Spezialpräparationen zur Sprache gebracht werden. Im Anschluss daran referieren kompetente klinische Spezialisten über moderne invasive Verfahren, deren technische Durchführung, Indikation und Komplikationsmöglichkeiten. Im zweiten Kursabschnitt werden dann die erlernten operativen Techniken bzw. invasiven Verfahren an speziell dafür vorbereiteten anatomischen Präparaten unter Anleitung trainiert. Zu diesem Zweck verwandelt sich der Präpariersaal dank Unterstützung durch verschiedene Firmen in einen Operations- bzw. Behandlungssaal mit allen dazu notwendigen gerätetechnischen Voraussetzungen. Unter Zuhilfenahme der vorhandenen modernen Kommunikationstechnologie wird es den Kursteilnehmern ermöglicht, die anatomischen Zugangswege live zu verfolgen und anschließend selbständig nachzuvollziehen. Hierbei wird den Teilnehmern die Option zur detaillierten Weichteilpräparation und zum Erlernen der entsprechenden Techniken eingeräumt. Gleichzeitig nutzen die Teilnehmer die Gelegenheit, sowohl mit dem Operateur als auch mit dem Anatomen Erfahrungen auszutauschen, spezielle Sachverhalte zu diskutieren und offene Fragen zu klären.
Für einen Teil der Kurse stehen speziell angefertigte Demonstrationspräparate zur Verfügung. Hieran werden die aus klinischer Sicht interessierenden, konkreten anatomischen Landmarken, die durch aufwendige präparatorische Vorarbeiten zur Darstellung gebracht wurden, vorgestellt und diskutiert.
Schließlich bieten einige Kurse im direkten Anschluss an den klinisch-anatomischen Teil die Möglichkeit, die erlernten Techniken im Rahmen von live-Operationen am Patienten direkt mitzuverfolgen

Praxisrelevante Anatomie zu vermitteln, bedeutet nicht nur, zwischen vorklinischer und klinischer Ausbildung Brücken zu bauen, sondern darüber hinaus im Rahmen ärztlicher und zahnärztlicher Fortbildung in den unmittelbaren Dienst des Patienten zu treten. Dass diese Art von interdisziplinärer Zusammenarbeit nicht nur Patienten, sondern auch der anatomischen Lehre und Forschung zugute kommt, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

 

Kontakt:
Dr. med. Rosemarie Fröber
Oberärztin am Institut für Anatomie I der Friedrich-Schiller-Universität Jena
07740 Jena
Tel: 03641 9 38520
Fax: 03641 9 38634
email

 

 Workshop - Clip

10. Jenaer AO-Workshop "Operationen an der Hand" (Januar 2007): Operativer Eingriff am anatomischen Präparat

 

 

Summer School "Regionalanästhesie" (September 2006): Demonstration des Zugangsweges beim Psoaskompartmentblock am anatomischen Präparat